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Das Johanniter-Internat Hemmelmark

Das Johanniter-Internat Hemmelmark wird 1959 als gemeinnützige Anstalt durch die Hamburgische und Pommersche Genossenschaft des Johanniterordens gegründet. Damit hat der Orden, dessen Tätigkeit dem kranken und hilfsbedürftigen Menschen gilt, auch unmittelbar die Arbeit an der Jugend in Angriff genommen, und zwar unter dem Leitgedanken des diakonischen Dienstes.

Hemmelmark, ein Gut von 500 Hektar, liegt drei Kilometer nördlich von Eckernförde am 80 Hektar großen  Hemmelmarker See. Das Internat, ein 1904 von Ernst von Ihne (kaiserl. Hofarchitekt) erbautes Landhaus des Prinzen Heinrich von Preußen, hat Platz für 15 Mädchen und 80 Jungen.Die schöne Lage des Hauses in einem Park mit zwei Sportplätzen unmittelbar am Wasser und am Wald gibt der Jugend die Möglichkeit zu gesundem Aufwachsen und Heranreifen. Erstrebt wird ein frohes Gemeinschaftsleben in christlichem Geist und einfachem Lebensstil, bei ernster Zucht und freudigem Gehorsam. Auf Sport und gewissenhafte Arbeit für die Schule wird großer Wert gelegt. Prinz Heinrich, (Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, der Bruder des letzten Kaisers, nach dem die Prinz Heinrich Mütze Ihren Namen hat), hat sich das Gut Hemmelmark als Landsitz gekauft, denn seine Residenz liegt in der Kriegshafenstadt Kiel. Er lebt hier bis zu seinem Tod. Beigesetzt wird er in einer Kapelle, einem Mausoleum. Dieses wird nach russischem Vorbild auf einem Feld zwischen Hemmelmark und Hohenstein errichtet. Das Herrenhaus ist im englischen Landhausstil (Cottage) erbaut. Das Gut erbt später seine Nichte, Prinzessin Barbara zu Preußen (1920-1994), verheiratet mit Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg, die mit ihrer Familie in Hemmelmark lebt und das Gut verwaltet. Heute gehört dieses Gut der Großnichte des Prinzen Heinrich.

Textteile von Hildegard Carl, Herrenhaus (Schloss) Ludwigsburg, Schwansen.

Als Deutschlands Throne stürzten: Vor 50 Jahren endete die deutsche Monarchie

(Artikel aus FRAU IM SPIEGEL, Januar 1969, Autor Alf Schmidt)

Der einzige aus der Kaiserfamilie, dessen Leben während der Revolution im November 1918 am seidenen Faden hängt, ist Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Kaisers. Matrosen beschießen seinen Wagen und verwunden seine Frau Irene, als er fluchtartig Kiel verlässt, um sich auf seinen Herrensitz Hemmelmark in Holstein zurückzuziehen.

Nirgendwo, nicht einmal in den kaiserlichen Schlössern in Potsdam und Berlin, hat sich Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des Kaisers, so sehr zu Hause gefühlt wie auf Hemmelmark, das er kurz vor der Jahrhundertwende in der Nähe von Eckernförde in Schleswig-Holstein erworben hat. Hemmelmark ist zuerst nur sein Sommersitz. In den langen Jahren als Admiral und später als Großadmiral und Kommandierender Admiral der Ostsee ist das Kieler Schloß sein Dienstsitz. Während der Revolution 1918 muss er es verlassen und zieht sich für immer auf Hemmelmark zurück. Dort hat er sich die Wohnung seiner Träume gebaut: ein Landhaus im englischen Cottage-Stil, jedes Zimmer mit einem offenen Kamin. Er liebt das flache Land mit den sanften Hügeln, dem Duft frischgemähter Wiesen, weiter Wälder und der nahen See, dem Geruch der Ställe seines Gutes – sein Reich, das auch nach 1918 ihm niemand nahm.

Prinz Heinrich lebt in Hemmelmark bis zu seinem Tod im April 1929, dort stirbt seine Frau, Prinzessin Irene, im November 1953, dort auch heirateten 1919 seine beiden Söhne: Prinz Waldemar die Prinzessin Calixta zur Lippe und Prinz Sigismund die Prinzessin Charlotte Agnes von Sachsen-Altenburg. Mittlerweile wohnt in Hemmelmark Prinz Heinrichs einzige Enkelin, Prinzessin Barbara von Preußen, nun seit vierzehn Jahren verheiratet mit Herzog Christian Ludwig zu Mecklenburg.

Seit Prinz Heinrichs Tod hat sich manches auf dem Herrensitz geändert. Das Landhaus, auf das sein Erbauer so stolz gewesen ist, beherbergt heute ein Internat des Johanniterordens; die Familie lebt im angrenzenden Victoria-Haus, der früheren Meierei, die, beim Bau des Herrenhauses um zwei Stockwerke erhöht, zu einem rustikalen Wohnhaus umgebaut und in den letzten Jahren mit den Annehmlichkeiten modernen Wohnstils ausgebaut wird.

Prinz Heinrich, der ehemalige Großadmiral, führt nach 1918 das beschauliche Leben eines Privatiers. Wer dagegen Herzog Christian Ludwig, den Mann seiner Enkelin, aufsuchen will, muß schon Schnee- und Hagelstürme, Wolkenbruch oder Gewitter zu Verbündeten haben, um ihn im Hause anzutreffen. Er bewirtschaftet das 500 Hektar große Gut – davon sind 80 Hektar See und 100 Hektar Wald – selber, eine Aufgabe, die einen passionierten Landwirt wie ihn vom ersten Hahnenschrei bis Sonnenuntergang auf den Beinen hält.

Imposant ist die Kulisse auf Gut Hemmelmark bei Eckernförde. Zwar ist das Herrenhaus im Cottage-Stil, das dem Kaiser-Bruder Prinz Heinrich von Preußen neben dem Kieler Schloss als Wohnsitz dient und in dem er Anfang November 1918 vor den meuternden Kieler Matrosen Zuflucht findet, an einen Berliner Fotografen verkauft, der Gutsbetrieb aber wird von seiner Urenkelin Edwina von Posern Herzogin zu Mecklenburg weiter geführt. Ihre Schwester Herzogin Donata ist heute Chefin des vormals regierenden großherzoglichen Hauses Mecklenburg-Schwerin. Adel vom Feinsten in historischer Kulisse.