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Autozug

Der Autozug oder Autoreisezug, dessen Produkteinführung in Deutschland bereits zum 1. April 1930 stattfindet, ist ideal für uns, die wir den Komfort der eigenen Motorräder am Urlaubsort oder auf unseren Rundreisen schätzen, uns aber die langen und strapaziösen An- und Abreisen nach Südfrankreich oder Spanien-Portugal ersparen möchten. Da wir in der Regel mit zwei Maschinen unterwegs sind, haben wir auch die Fahrzeit, zusätzliche Hotelübernachtungen, Kraftstoff- und Reifenkosten im Blick. Wenn wir Stau, Regen, mögliche Pannen, Straßengebühren und lieblose Verpflegung entlang der Anreiseroute kalkulieren, sind wir im eigenen Abteil besser aufgehoben und haben eine Woche An- und Rückfahrzeit gespart, die wir lieber im Zielgebiet verbringen. Die Motorräder reisen sicher verzurrt und kommen ganz einfach mit. Wir bleiben frisch und ausgeruht und starten direkt vom Ankunftsbahnhof in unser Urlaubsgebiet.

Für uns der perfekte Motorrad- und Sommerurlaub in Europas Süden von Anfang an. Mit dem Sommerfahrplan 2017 stellt die Deutsche Bundesbahn das Autozug-Angebot leider  ein, was uns natürlich nicht gefällt.

Unsere interessanteste Autozugreise unternehmen wir auf der langen Strecke von Villach im österreichischen Kärnten ins türkische Edirne vor den Toren Istanbuls. Wir trailern die Maschinen mit unserem Jetta nach Mösern bei Seefeld. Bei unseren Freunden Angelika und Seppl vom Alttiroler Spacklerhof können wir übernachten, Hänger und Pkw dort stehen lassen. Danach geht es über den Brenner nach Villach durch das obere Lesachtal.  Bei unserem Zug handelt es sich um ehemalige Waggons der deutschen Reichsbahn der DDR. Sie gehören jetzt der bulgarischen Staatsbahn und sind vom Reiseveranstalter von dort angemietet. Die Personenwagen des Charterzuges sind alle Waggons der 2. Klasse. Jeder Wagen verfügt über 10 Abteile, die praktisch und ordentlich ausgestattet sind. Am Tag bieten die Abteile 6 Sitzplätze und in der Nacht 6 Liegeplätze. Wir haben uns ein Abteil zur Alleinbenutzung gebucht und verfügen so über reichlich Platz für Ausrüstung und unser Gepäck. Nachdem unsere Fahrzeuge ihre Verladeposition eingenommen haben, werden sie an den Reifen verkeilt und damit wird ein Verrutschen nach vorne oder hinten verhindert. Motorräder werden mit entsprechenden Sicherheitsgurten verzurrt und damit gegen ein Umkippen gesichert. Während der Fahrt ist es nicht mehr möglich, zu den Fahrzeugen zu gelangen, da die ungarischen Fahrzeugtransportwagen aus Metall ge- und verschlossen sind . Freundlich macht man uns darauf aufmerksam, alle Dokumente und Bedarfsgegenstände vom Fahrzeug in unser Abteil mitzunehmen bevor wir das Fahrzeug verlassen. Die Fenster in den Abteilen lassen sich öffnen, können auf Wunsch auch verriegelt werden. An beiden Enden des Waggons befinden sich die Toiletten mit Handwaschbecken. Die Toiletten und Waschräume werden ständig sauber und gut benutzbar gehalten, was wir sehr schätzen. Bei unserem Zug fährt ein Speisewagen mit, in dem wir kalte und warme Getränke erhalten können. Außerhalb der Essenzeiten dient der Speisewagen auch als Gesellschaftsraum. In unserem gemütlichen Abteil gefällt es uns jedoch besser.  In der Nacht werden, je nach gebuchter Abteilbelegung, bis zu 6 Liegen ausgeklappt. Der Zustieg zu den oberen Legen erfolgt über eine Leiter. Die obersten Liegen verfügen über eine seitliche Sicherung, um ein Abrollen im Schlaf zu verhindern. In den einzelnen Abteilen kann vom Zugbegleiter ein Tisch – falls verfügbar – angebracht werden. Tischdecken,  Geschirr und Besteck sind nicht Teil der Abteilausstattung. Die Abteile sind von innen verschließbar.

Im Laufe von Jahren nutzen wir das Angebot auf den Strecken von Hamburg nach Alessandria im italienischen Piemont, Edirne in der Türkei, mehrfach nach Narbonne in Südfrankreich und zurück nach Hamburg, von Norddeutschland nach Lörrach und München.