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Die Wassertalbahn

1932 begann man mit dem Bau der Waldbahn, die gegenüber der Flößerei einen enormen technischen Fortschritt bedeutete.

Waldbahnen waren damals in Europa weit verbreitet, besonders im Karpatenraum. Ihr Funktionsprinzip war einfach: Nötigenfalls mit engen Kurvenradien (deshalb die schmale Spurweite!) folgten sie den Wasserläufen; so angelegt, dass die leeren Holzwaggons von den kleinen Loks bergauf, die schwer beladenen Züge hingegen bergab ins nächste Sägewerk rollen konnten.

In den meisten europäischen Ländern spätestens nach 1945 durch Forststraßen ersetzt, hielten sich in Rumänien die Waldbahnen sehr lange: 1970 betrieb die staatliche Forstverwaltung noch über 3000 Streckenkilometer, bis 1986 fertigte Rumänien sogar noch neue Waldbahn-Dampfloks, und 1989 gab es immer noch über 15 Waldbahnen mit knapp 1000 Kilometer Gleis.

Die wirtschaftlichen Veränderungen nach 1990 wirkten sich auf die ehemals staatlichen Waldbahnen „CFF“ verheerend aus: Innerhalb weniger Jahren wurden alle stillgelegt, abgebaut, Loks und Wagen verschrottet oder verkauft. Eine einzige Bahn fährt heute noch: Die „Wassertalbahn“, und erfüllt bis heute ihren ursprünglichen Zweck als ökonomisches Transportmittel für Rundholz.

Der Bahnbetrieb wird seit 2003 durch das private rumänische Unternehmen R. G. Holz Company durchgeführt, dem auch das Depotgelände und die meisten Lokomotiven und Wagen gehören. Nach wie vor in Staatsbesitz sind die Bahnstrecke und ein Großteil der Wälder im Wassertal.

Vom Jahr 2000 bis 2012 bekommt die Waldbahn auch Unterstützung aus dem Ausland, durch den Verein „Hilfe für die Wassertalbahn“. Mit schweizerischer Hilfe wurden u.a. abgestellte Dampfloks in Betrieb genommen, neue Personenwagen beschafft, das Lokomotivdepot und das historische Bahnhofsgebäude restauriert. Rund um den Bahnhof in Viseul de Sus (Oberwischau) entsteht neuerdings eine Infrastruktur, die dem zunehmenden Tourismus Rechnung trägt.

Seit 2005 verkehren für die Besucher fahrplanmässige, von Dampfloks gezogene Personenzüge, und seit 2007 steht das Wassertal als Teil des Naturparks „Muntii Maramuresului“ unter europäischem Schutz.

Noch hat es die Wassertalbahn nicht ganz geschafft, noch steht sichtlich vieles im Argen. Aber die wunderschöne Bahn hat heute viele Freunde in der ganzen Welt, und es werden immer mehr. Die letzte Waldbahn Rumäniens hat, nicht zuletzt dank dem Tourismus, eine Zukunft.

 

Das Wassertal, von Viseul de Sus (Oberwischau) bis hinter der Endstation Comanu gute 50 Kilometer lang, ist mit keinem anderen Gebirgstal der Karpaten zu vergleichen. Es umfasst ein riesiges, bis auf Holzfällercamps völlig unbesiedeltes Waldgebiet, erschlossen einzig durch die Waldbahn und an die Geleise führende Forstwege. Als Teil des Naturparks „Munti Maramuresului“ steht es unter europäischem Schutz; die forstwirtschaftliche Nutzung ist zwar erlaubt; ökologische Auflagen garantieren aber, dass der Wald in seiner jetzigen Grösse erhalten bleibt.

Ausgehend von Viseul de Sus (Oberwischau), sind ca. 8 Kilometer einer holprigen Naturstrasse noch von Häuschen gesäumt. Beim Gleisdreieck Delta Novat verzweigt sich die Eisenbahn: Rechts führt die Strecke knapp 7 Kilometer ins Novat-Tal; links, entlang dem Wasserfluss, geht die Hauptlinie weiter Richtung Comanu. Zwischen Cozia,  Bardau, Botizu und bis Faina, durchfährt die Bahn den landschaftlich spektakulärsten Teil der Strecke. Enge, von Felsen gesäumte Schluchtpartien, wild sprudelnde Bergbäche, das Farbenspiel der Mischwälder, drei kurze Tunnels vor Botizu. Oberhalb der Bahnstation von Faina ist ein von österreichischen Siedlern erbaute Kirche zu besichtigen, welches der Kaiserin Elisabeth („Sissi“) gewidmet ist.

Ca. 5 Kilometer nach Faina, bei Macarlau, passiert die Bahn die Reste einer mächtigen Talsperre, wo früher der Wasserfluss für die Flößerei aufgestaut werden konnte.

Der Besuch des Wassertales ist bis heute ein Abenteuer: In dunklen Wäldern und auf sonnenüberfluteten Almen, auf einsamen Bahnstationen und betriebsam-lauten Waldarbeitercamps erschliesst sich eine faszinierende, andere Welt.

Der Hotelzug „Carpatia-Express“

Eine einzigartige Übernachtungsmöglichkeit für Bahnfreunde und Erlebnishungrige steht direkt auf dem Bahnhofsgelände der Wassertalbahn. Die Zugkomposition besteht aus einer restaurierten Denkmal-Dampflokomotive aus Rumänien sowie zwei Schlafwagen und einem Speisewagen produziert in der ehemaligen DDR für die tschechoslowakischen Staatsbahnen (CSD). Neben Eisenbahnromantik pur bietet der „Carpatia-Express“ insgesamt 20 Abteile mit je zwei Betten. Nur 50 Meter trennen den Hotelgast am Morgen vom abfahrtbereiten Dampfzug ins Wassertal.

Der Hotelzug befindet sich im eingezäunten und bewachten Bahnhofsareal. Es steht ebenso ein sicherer Parkplatz gratis zur Verfügung. Attraktive Kombiangebote für Passagiere der Wassertalbahn machen den Aufenthalt in Viseul de Sus (Oberwischau) zum unvergesslichen Erlebnis.

Der Speisewagen des „Carpatia-Express“ steht auch für Gäste offen, die nicht im Hotel übernachten.

Vor dem Hotelzug steht eine historische Dampflokomotive aus dem Rumänischen Resita-Werk (sprich Reschita). Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der deutschen „Einheits-Güterlokomotive 50“ der Deutschen Reichsbahn. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden im Lokomotivwerk Resita für die Rumänische Staatsbahn CFR 282 Stück dieses Typs in leicht modifizierter Art gebaut. Die Resita 150.216 ist somit nicht bloß ein imposantes Schmuckstück des Hotelzugs. Es ist auch ein Stück europäische Eisenbahngeschichte.